Warum „Selbstwertgefühl” nicht so wichtig ist…

Liebe Leserin,

…viele Frauen arbeiten an ihrem Selbstwertgefühl.

Sie lesen, reflektieren, verstehen sich selbst besser.

Und trotzdem passiert es immer wieder:

Ein Mann zieht sich zurück.
Er antwortet später, wirkt kühler.

Und dann kommt der alte Bekannte „Selbstwertgefühl“ daher und flüstert:

„Hey, du hast was Besseres verdient, schließlich bist du ja WERTVOLL“. 

Doch hier kommt der Haken:

Das Selbstwertgefühl beantwortet vor allem eine Frage:

Wie gut bin ich eigentlich?

Und genau diese Frage kann unter Druck zur Falle werden…

  • Bin ich ihm wichtig genug?
  • Habe ich etwas falsch gemacht?
  • Bin ich zu viel? Oder nicht genug?

Solange alles rund läuft, fühlt sich unser „Selbstwert“ stabil an. Doch in Momenten der Unsicherheit kann er kippen.

Nicht, weil wir in Wahrheit garnicht so „wertvoll“ wären. Sondern weil unser Selbstwertgefühl oft an Bedingungen hängt.

Anfang der 2000er-Jahre saß die Psychologin Kristin Neff an einem Punkt, den viele Menschen gut kennen.

Beruflich lief es. Privat eher nicht.

Damals war das große Thema der Psychologie:

„Mehr Selbstwertgefühl, weniger Probleme“

So zumindest die große Hoffnung.

Sie war wissenschaftlich bestens ausgebildet, reflektiert, leistungsfähig. Und trotzdem ging sie innerlich hart mit sich selbst um. Vor allem dann, wenn etwas schiefging…

Ihr fiel etwas auf, das sie irritierte:

All das Wissen über den „Selbstwert“ half ihr genau dann nicht, wenn sie es am dringendsten gebraucht hätte.

Wenn sie versagte. Wenn sie sich schämte. Wenn sie sich überfordert fühlte.

Also tat sie etwas Ungewöhnliches für eine Wissenschaftlerin.

Sie stellte sich NICHT die Frage: „Wie steigere ich mein Selbstwertgefühl?“

Sondern eine andere:

„Wie gehen Menschen innerlich mit sich um, wenn sie versagen?“

Und:

„Was unterscheidet Menschen, die nach Rückschlägen stabil bleiben, von denen, die innerlich zerbrechen?“

Diese Fragen waren der Ausgangspunkt für das, was später als Self-Compassion bekannt wurde:

Selbstmitgefühl. 

Sie stellte fest:

Selbstwertgefühl ist oft an Bedingungen geknüpft.

Es funktioniert super, solange man liefert, überzeugt, besteht.

Doch unter Druck wird es oft fragil…

Selbstmitgefühl dagegen greift genau dann, wenn der Selbstwert zusammenbricht.

Nicht als positives Denken. Nicht als Schönreden. Sondern als innere Einstellung.

Selbstmitgefühl fragt nicht:

„Bin ich gut genug, bin ich denn WIRKLICH wertvoll?“

Es fragt:

„Kann ich mir selbst treu bleiben, obwohl es gerade weh tut?“

In ihrer Forschung zeigte sich etwas Entscheidendes:

Menschen mit Selbstmitgefühl sind nicht passiver, nicht gleichgültiger, nicht weniger ambitioniert. Im Gegenteil.

Sie übernehmen Verantwortung, bleiben handlungsfähig und erholen sich schneller nach Rückschlägen.

Warum?

Weil sie ihre Energie nicht im inneren Kampf gegen sich selbst verbrennen.

Im Alltag zeigt sich der Unterschied ganz konkret:

Ein wichtiger Mensch zieht sich zurück. Wird unklar. Verhält sich verletzend.

Oder auf der Arbeit geht etwas komplett schief.

Der Selbstwert springt an und fragt:

„Was stimmt nicht mit mir?“

„Was habe ich falsch gemacht?“

Selbstmitgefühl tut etwas anderes.

Es sagt innerlich:

„Das fühlt sich gerade richtig schei… an. Wie kann ich trotzdem gut zu mir sein?“

Kein Drama oder Selbstverrat. Kein inneres Tribunal.

Und genau das verändert alles.

Selbstmitgefühl fragt nicht, ob Sie gut genug sind.

Es fragt:

Wie gehen Sie innerlich mit sich um, wenn Sie sich gerade unsicher oder verletzt fühlen?

Greifen Sie sich selbst an? Oder bleiben Sie innerlich an Ihrer Seite?

Menschen mit Selbstmitgefühl geraten in unsicheren Phasen NICHT in endloses Grübeln. Sie bleiben innerlich ruhiger, sind klarer bei sich und spüren auch unter Druck noch, wo ihre eigene Grenze liegt.

…ein Kind hört nicht auf zu schreien, wenn wir es ignorieren. Oder wenn wir mit ihm schimpfen, weil es sich so fühlt. Vielleicht schreit es dann sogar noch mehr.

Genauso ist es mit unseren Gefühlen. Sie brauchen keine Schelte. Und sie wollen auch nicht ignoriert werden. Sie wünschen sich, liebevoll gehalten zu werden. Sie wollen, dass wir ihnen zuhören.

Es ist NORMAL, dass es weh tut, wenn ein geliebter Mensch sich zurückzieht oder wenn wir bei einer wichtigen Aufgabe scheitern.

Wir brauchen dann innere Zuwendung. Von uns selbst. 

Die Forschung von Kristin Neff zeigt, dass Menschen Rückschläge wesentlich besser verkraften, wenn sie freundlich mit sich umgehen. Wenn wir traurig sind, ängstlich oder verunsichert, brauchen wir unsere Zuwendung.

Das Entscheidende daran ist, dass Selbstmitgefühl nichts beschönigt. Es bedeutet nicht, sich einzureden, dass alles in Ordnung wäre. Es bedeutet, sich selbst nicht zusätzlich zu verletzen, während man ohnehin schon mit etwas Schwierigen konfrontiert ist.

Was heißt das aber konkret – wenn wir uns so richtig mies fühlen?

Das Ganze lässt sich auf drei einfache Dinge runterbrechen:

1. Den inneren Ton wechseln.

Nicht analysieren, nicht antreiben, nicht beschimpfen – weder uns selbst, noch den anderen Menschen. Stattdessen innerlich einen Satz wählen, der nicht noch zusätzlich verletzt.

Anstatt: „Wie blöd bin ich eigentlich?“

oder

„Dieser verdammte Arsc…“

Besser: „Das ist gerade schwer für mich“

oder „Na klar verletzt mich das“

2. Dem Körper etwas Gutes tun.

Nicht als Belohnung, sondern als Antwort auf Stress. Etwas Warmes trinken. Eine heiße Schokolade, einen Tee, eine Suppe. Sich hinlegen, eine Decke holen, kurz rausgehen. Nichts Großes, nichts Spirituelles.

Einfach ein Signal: Ich kümmere mich gerade um mich. Ich bin für für mich da.

3. Aufhören, sich selbst zu bekämpfen.

Wenn Gedanken anfangen mit „Immer passiert mir sowas“ oder „Mit mir stimmt etwas nicht“, innerlich stoppen und den Fokus wechseln.

Nicht auf die Lösung, sondern auf den Moment. Atmen. Schultern lockern. Für ein paar Stunden nichts „reparieren“ wollen.

Kurz gesagt:

Selbstmitgefühl heißt nicht, sich etwas schön zu reden.

Es heißt, sich selbst in schwierigen Momenten nicht wie einen Gegner zu behandeln, sondern wie jemand, dem es gerade nicht gut geht.

Und manchmal reicht dafür schon eine heiße Tasse in der Hand und ein freundlicherer innerer Ton.

Einer guten Freundin oder einem Familienmitglied würden Sie in schwierigen Zeiten ja auch nicht sagen:

„Warum bist du denn so blöd und hast das nicht nicht kommen sehen? Hast du denn gar kein Selbstwertgefühl?“ 

Daher: Seien Sie sich selbst die beste Freundin und gehen Sie freundlich und liebevoll mit sich um.

Immer.

Egal, was Ihnen passiert.

Das möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben.

Und wenn Sie sich fragen, WARUM sich Männer manchmal so „seltsam“ verhalten, sollten Sie unbedingt meinen kostenlosen Report lesen:

-> Hier können Sie sich ihn kostenlos herunterladen

Liebe Grüße und bis bald,

Ihr Freund Christian Sander

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