Er will keine Nähe – er geht immer wieder auf Distanz

Liebe Leserin,

viele Frauen berichten mir, wie sie darunter leiden, wenn Männer keine wirkliche emotionale Nähe zulassen.

„Wir verstehen uns gut, lachen zusammen, unternehmen auch das eine und andere gemeinsam. Aber ich habe immer das Gefühl mit einem Freund – ich könnte auch sagen: mit einem Bruder zusammen zu sein. Und ich möchte doch so gerne eine richtige Beziehung haben. Ich liebe ihn doch so sehr!“

Ich möchte Sie jetzt gerne auf ein Phänomen menschlichen Verhaltens hinweisen, das auf der Beziehungsebene eine wichtige Rolle spielt:

Es gibt Menschen, die sind zunächst kontaktfreudig. Sie machen den Eindruck, als wären sie an einer Beziehung interessiert. Aber wenn es um persönlichere Dinge geht, um Gefühle, oder eine gewisse Verbindlichkeit in einer Beziehung, dann hat man das Gefühl an eine Grenze zu stoßen die streng bewacht wird.

Man kann sich solchen Menschen nur bis zu einem gewissen Grad nähern. Wirkliche Nähe lehnen sie kategorisch ab. Sie wissen genau, was ihnen gut tut, nehmen wenig oder gar keine Rücksicht auf die Gefühle anderer, können aber trotzdem sehr charmant wirken. Dennoch können sie Nähe nicht ertragen, weil Nähe in ihnen eine undefinierbare Angst und dadurch großes Unbehagen auslöst. Es mangelt ihnen in der Regel an Einfühlungsvermögen. Dennoch lebt in ihnen eine stille Sehnsucht nach Nähe, die sie aber nicht leben, geschweige denn ertragen können.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die können über ihre Gefühle mühelos reden, sind warmherzig, einfühlsam und sehnen sich nach einem Partner, der diese Eigenschaften teilt. Im Berufsleben und im Freundeskreis sind sie sehr beliebt, hilfsbereit und stecken so manchen Nachteil ein, um nur ja nicht anzuecken.

Am wohlsten fühlen sie sich, wenn alles harmonisch von statten geht und sie mit vertrauten Personen ihre Sorgen und Freuden teilen können – auch dann wenn Harmonie teuer erkauft werden muss. Sie leiden immer wieder darunter, dass sie nicht nein sagen können und sich so manches Problem anderer Menschen zu ihrem eigenen Problem machen. Ihr Selbstwertgefühl ist nicht sehr ausgeprägt, wodurch sie bei Kontakten mit dem erstgenannten Typ in eine leidvolle Situation geraten. Sie geraten nahezu in Verzweiflung, wenn sie sich in einen Menschen verlieben, der ihnen die gewünschte Nähe nicht geben kann und/oder will.

Das Tragische an diesen menschlichen Eigenschaften ist, dass sich solche Gegensätze geradezu anziehen (wie der Volksmund richtig sagt: Gegensätze ziehen sich an)

Der distanziertere Typ genießt die Offenheit und Herzlichkeit des anderen, wovon er selbst unbewusst gerne etwas mehr hätte. Und der gefühlsbetonte Mensch mag die Sachlichkeit und Distanziertheit mit einem gewissen Charme verbunden, weil er insgeheim auch gerne etwas davon hätte.

Wie mir immer wieder berichtet wird, entfernt sich ein Mann der oben beschriebenen Art umso mehr, je mehr eine Frau ihm zu nahe kommen will, was in eine unglückliche Liebesbeziehung führt und viel Schmerzen auf Seiten der Frau verursacht. (In meinen Büchern habe ich dazu übrigens einen detaillierten Ausweg beschrieben)

Nun möchten Sie natürlich wissen: WAS TUN?

Die Kurzversion:

Es gibt genau drei Möglichkeiten diesem Dilemma zu entkommen.

Als Erstes ist es hilfreich diesen Mechanismus zu verstehen.
Zweitens kann eine Beziehung nur funktionieren, wenn man die Grundeigenschaften des Partners akzeptieren kann. Und drittens gibt es noch die Möglichkeit, seine eigenen Grundeigenschaften (Distanz oder Nähe) in die jeweils andere Richtung zu erweitern. Alle drei Punkte sind ein Reifungsprozess. Geben Sie nicht auf, sich weiter zu entwickeln.

Allein die Tatsache, dass Sie sich ernsthaft damit auseinandersetzen, zeigt ja: Sie sind auf dem richtigen Weg! 🙂

–> Wenn Sie sich ausführlicher mit der Thematik „Mein Geliebter zieht sich zurück“ beschäftigen wollen, sollten Sie sich das hier durchlesen

 

Übrigens, kennen Sie schon die 4 weiblichen Eigenschaften, denen kein Mann auf Dauer widerstehen kann? –> Hier erfahren Sie mehr darüber (klicken)

 

Ich wünsche Ihnen bei Ihrem Weg von Herzen viel Erfolg!

Ihr

Christian Sander

 

 

5 Kommentare

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  1. Ein sehr kluger Artikel mit vielen wertvollen Hinweisen. Herzlichen Dank dafür, wir haben ihn mit großem Interesse gelesen. Das Spiel von Nähe und Distanz ist nicht immer ganz einfach zu spielen. Wer das beherrscht – kann eine tolle Beziehung langfristig führen. Bei uns gelingt das recht gut. Auch wenn wir zu Beginn Angst vor einer zu engen Vertrautheit hatten. Jeder von uns hatte in früheren Beziehungen ja auch Enttäuschungen erlebt, die uns geprägt haben. Wir lassen uns aber gegenseitig Freiräume und freuen uns dann wieder sehr auf einander, auf eine gemeinsame schöne Zeit mit vielen besonderen Momenten. Die verlieren wir nie aus dem Fokus. Das ist es, was die Gefühle und die Leidenschaft bei uns für einander erhält.

    Um die gegenseitige Anziehung für einander aufrecht zu erhalten ist das enorm wichtig. Sobald zu viel Alltag einzieht, jeder nur noch für sich selber mit seinen Pflichten und Aufgaben beschäftigt ist, verlieren wir uns aus den Augen. Wir gehen uns manchmal auch sehr auf die Nerven, wenn wir nur noch aufeinander hängen. Dann wird es einfach Zeit, einander wieder einmal etwas loszulassen. Luft zum Durchatmen brauchen wir alle. Dann ertragen wir uns auch in schwierigen herausfordernden Situationen wieder viel besser.

    Auch wir sind nicht 24 Stunden lang ineinander verliebt, aber wir lieben uns und wissen, dass wir aufeinander zählen können. Das gegenseitige Vertrauen ist die Basis und das Fundament in unserer Partnerschaft. Und das erfüllt uns mit großem Glück: Einen Menschen gefunden zu haben, zu dem wir uns sehr hingezogen fühlen und mit dem jeder von uns durch dick und dünn gehen kann.

    Ja, die Achtsamkeit ist ein Zauberwort für die Qualität in der Beziehung. Zu spüren, wie es dem anderen geht, was er braucht, welche Bedürfnisse er hat. Und dann darauf eingehen, ihm signalisieren „Ich bin da für dich“. Oft ist das nicht so leicht umsetzbar im Alltag. Zu vieles strömt auf uns ein. Das Handy läutet, die Hausarbeit ist zu erledigen, ein Termin steht an etc. Alles nicht so leicht unter einen Hut zu bekommen.

    Trotz allem verlieben wir uns jeden Tag neu in einander. Unser Zusammengehörigkeitsgefühl ist riesengroß und wir wollen unsere Zukunft gemeinsam bestreiten. Auch wenn wir hin und wieder Angst davor verspüren, den anderen verlieren zu können. Davor ist niemand geschützt, das kann jedem passieren. Aber deshalb wollen wir nicht auf unsere Zweisamkeit verzichten.

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  2. Hallo ich liebe einen Mann, der 20 Jahre älter ist. Und ich denke, er liebt mich auch. Wir führen einen gemeinsamen Shop und dort hat er offensichtlich seine Erfüllung gefunden. In der Woche läuft es auch ganz gut. Aber an den Wochenenden, wenn ich gerne mal eine Kleinigkeit unternehmen möchte, sieht er „Rot“ Ich komme mit Wünschen, die er nicht erfüllen kann oder möchte. Und dann knallen wir aufeinander. Streit, Vorwürfe und Ähnliches. Er zieht sich dann zurück und lässt mich mit einem total schlechten Gewissen zurück.
    Seine Aussage: Wir sind doch zusammen! Er versteht offenbar nicht, dass ich auch mal raus möchte.
    Auch einen Umarmung wäre gut, aber immer nur diese Aussage“ Ich bin doch hier“
    Es ist schwierig und ich weiß einfach nicht mehr weiter.
    Besser wird es, wenn ich mehr im Shop mitarbeite. Und doch fühle ich mich ausgebrannt…und wenig wahr genommen…

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  3. Ich habe jemanden auf Facebook kennengelernt. Erst scheinbar Interesse, Bemühen, sich sehen wollen. Dann schnell zum Telefon Sex übergegangen, lässt keine Fragen zum eigenen Leben zu. Trägt weiter Ehering, hat sich an diesem Finger verletzt, angeblich geschwollen bekommt den Ring nicht ab ??? Hat 2010. 2011. Und 2012 geheiratet und weiß von nichts. Findet mich toll, im nächsten Moment bin ich eine Nummern zu groß für ihn? Bekomme ich habe eine Rückmeldung von Ihnen. Habe diese Phase beendet. Es tat mir weh, fühlte mich “ veräppelt “ und nicht als Frau wahrgenommen.

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  4. Alles schön und gut.Aber du brennst innerlich aus, weil man auch etwas zurück haben möchte. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit einer gesunden „Selbsterhaltung“. Ich bin froh, dass ich zu so einen Menschen die notwendige Distanz wieder gefunden habe. Es ist dann besser, ich bin vorab allein, kann aber wieder auftanken.

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  5. Hallo!
    Bei mir ist genau so ein Fall… schon seit 8 Jahren.
    Ich kann und will nicht mehr.
    Ist sehr schwer,wenn du nicht mal ein Umarmung bekommst usw.
    LG.Christi

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